Brautkleid, ungetragen zu verkaufen.
Jeder, der so eine Anzeige in der Zeitung liest, fragt sich, welche
Geschichte wohl hinter so einem Inserat stecken mag. Hier sind drei
Geschichten von Frauen, die nie mit ihrem Hochzeitskleid in die Kirche
schritten:
Jutta B. erzählt: "Wir waren schon vier Jahre zusammen, als Markus mir einen
Heiratsantrag machte. Ich liebte ihn und sagte von ganzem Herzen "Ja"! Er
ist einer von diesem lustigen, flotten Männern, die von je her mein Typ
waren. Kaum konnte ich die Hochzeit abwarten, wir wollten mitten im Sommer,
im August, heiraten. Das Brautkleid war ein Traum, schulterfrei, ganz aus
cremefarbener Seide. Doch plötzlich liess Markus meinen Traum platzen. Er
sagte, er müsse vor der Hochzeit noch seine Freiheit auskosten, könne sich
doch noch nicht festlegen. Er ging für ein Jahr ins Ausland, unser Kontakt
brach ab, denn ich war so verletzt. Ein guter Freund von Markus und mir
unterstützte mich in dieser schweren Zeit. An meinem "Hochzeitstag" machte
er mit mir einen Ausflug. Ich wusste, dass er mich liebte und wir wurden ein
Paar. Doch dann war Markus plötzlich wieder da und ich liebte ihn immer
noch. Ich konnte nicht anders, als seinen neuen Antrag anzunehmen. Jetzt bin
ich schwanger, im nächsten Jahr werden wir heiraten. Doch ich will in einem
neuen Kleid heiraten, mir scheint, das alte Kleid würde uns kein Glück
bringen. Neues Kleid, Neuanfang, alte Liebe!"
Angelika verrät uns: "Meinen Freund lernte ich schon mit vierzehn kennen und
als wir beide zwanzig waren, beschlossen wir zu heiraten. Alles wurde für
die Feier arrangiert. Einladungen, Lokal, Essen und natürlich das
Hochzeitskleid waren schon ausgesucht. Doch plötzlich schlief ich nachts
sehr schlecht, hatte wüste Träume, in denen ich zu ersticken drohte. Je
näher die Hochzeit kam, desto so schlechter fühlte ich mich. Anfangs wollte
ich nicht wahrhaben, dass mein depressiver Zustand etwas mit der Hochzeit zu
tun haben könnte. Aber ich litt. Meine Freundin sagte mir, wenn ich mich so
schlecht dabei fühlen würde, sollte ich lieber nicht heiraten. Da nahm ich
all meinen Mut zusammen und sagte die Hochzeit nur sechs Wochen vor dem
Termin ab. Natürlich brach für Peter eine Welt zusammen, aber ihn zu
heiraten, ohne ihn wirklich rückhaltlos zu lieben, wäre mir noch schäbiger
vorgekommen. Inzwischen habe ich den Richtigen getroffen, bin verheiratet
und Mutter einer Tochter. Ich weiss, dass meine Entscheidung von damals
richtig war. Auch von Peter hörte ich, dass er eine Familie gegründet hat,
was mich sehr freut. Das Kleid soll nun eine glückliche Trägerin finden, es
ist so schön, wie für eine Prinzessin, mit Perlenstickerei, dass es eine
Sünde wäre, wenn der Staub des Dachbodens es ruiniert."
Anna, 21 Jahre, aus Berlin berichtet mit leiser Stimme: "Ich hatte mich so
sehr auf meine Hochzeit gefreut, es sollte der schönste Tag meines Lebens
werden, ich wollte die schönste Braut für meinen Marcel sein und das Kleid
war auch wirklich ein Traum. Doch dieser Traum ist auf fürchterliche Weise
geplatzt, ich bin immer noch nicht darüber hinweg. Unsere Hochzeit sollte
vor acht Wochen sein und statt dessen bin ich nun ganz allein. Deshalb will
ich auch das Brautkleid verkaufen, ich möchte nicht mehr daran erinnert
werden. Ja, ich muss ja nun endlich einmal sagen, was eigentlich passiert
ist, es fällt mir sehr schwer darüber zu sprechen. Also, Marcel ist auf dem
Weg zur Kirche mit seinem Auto tödlich verunglückt." An dieser Stelle muss
Anna weinen, der ganze grosse Kummer bricht aus ihr heraus. Es wird sicher
noch eine lange Zeit brauchen bis sie darüber hinweg sein wird, und wir
wünschen ihr, dass sie irgendwann ein neues Glück findet!"
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